10 Jahre selbständig

Am 1. März 2005 habe ich die Reise in eine spannende Welt angetreten. Die Welt der Selbständigkeit. In diesem Beitrag erzähle ich von meinem Schritt in die Selbständigkeit und was sie für mich bedeutet.
Astronout

Im Januar 2005 sage ich es meiner Chefin: Ich werde gehen. Ich werde die Agentur, die ich mit aus der Taufe gehoben habe, verlassen und mein eigenes Unternehmen gründen.

Ich habe einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Einen sicheren Job. Viele träumen genau davon. Aber ich merke, dass ich an Grenzen stoße. Die Projekte sind immer mehr »business as usual« und meine Anregungen, neue Wege zu gehen, fruchten nicht. Aber ich will mich menschlich und fachlich weiterentwickeln. Ich weiß, dass mir der Job so nicht mehr lange Spaß machen wird.

Kurz nachdem ich die Arbeitswelt betreten hatte, war klar, dass ich mich mal selbständig machen werde. 2004 häufen sich die Signale, dass es nun endlich Zeit wird. Ich bin unzufrieden und will Entwicklungen selber in die Hand nehmen. In der Silvesternacht dann der finale Entschluss. Jetzt geht es los.

Ein kleiner Schritt für die Menschheit – ein großer für mich

Die Anmeldung beim Finanzamt geht flott und freundlich. Aber meine zukünftige Hausbank überrascht mich. Ich habe erwartet, mit einem kurzen Formular mein Geschäftskonto eröffnen zu können und gehe spontan in die Filiale. Dort werde ich erst mal abgebremst. Ich soll mit meinem Businessplan wiederkommen und einen Termin vereinbaren. Huch! Ein Businessplan für ein Geschäftskonto ohne Dispo oder Vergleichbares? Gut, dass ich eh einen Businessplan geschrieben habe. Der Filialleiter beäugt meinen Plan kritisch und stellt die eine oder andere Frage. Dann lächelt er zufrieden und legt mir das Formular vor. Auch wenn ich mir nicht vorstellen konnte, dass man mir ein Geschäftskonto verweigert – diese kritischen Augen, die besonders auf die Zahlen schielen, machen ein wenig kribbelig.

Den März verbringe ich hauptsächlich damit, mein Corporate Design zu gestalten, Geschäftsausstattung und Website zu erstellen und Texte zu schreiben. Als Marketing-Mensch war klar, dass hier alles vom ersten Tag an stimmen muss. Die Zeit dafür habe ich eingeplant und das halte ich auch für wichtig. Danach konnte ich mich ganz den ersten Kundenprojekten widmen.

Jeder dieser Schritte fühlt sich spannend und besonders an. Alles was ich mache, mache ich wirklich für mich. Aus voller Überzeugung und mit einem klaren Ziel: Mein eigenes Business.

Was heißt das eigentlich: Sich selbständig machen?

Selbständig = selbst und ständig. Mit diesem genervten Unterton. So definieren immer noch viele Menschen das Thema Selbständigkeit. Was für eine schreckliche Vorstellung. Für mich bedeutet Selbständigkeit, dass ich ständig ich selber sein kann.

Während meiner Selbständigkeit habe ich viel über mich gelernt und mich als Mensch und Fachmann weiterentwickelt. Ich bin selber für mein Business und mein Leben verantwortlich. Ich bin dafür verantwortlich, wie ich meine Kunden begleite. Früher habe ich mich den bestehenden Strukturen untergeordnet. Die Geschäftsführung gibt die Marschroute vor und hat das letzte Wort.

Nun steht mein Name auf dem Briefpapier und auf der Website. Ich führe das Erstgespräch mit dem Kunden und hake nach, wenn das Geld nicht reinkommt. Ich schreibe Texte für die Website und putze das Büro. Ich gestalte eine Website und mache die Buchhaltung. Was für viele gruselig klingt, ist für mich pure Selbstbestimmung und Selbstverantwortung – die ureingentlichste Form des Lebens.

Ureinwohner oder Alien?

Auch wenn für mich die Selbständigkeit die natürlichste Form des Lebens ist. In der sicherheitsbedachten Welt fühle ich mich dann doch öfter mal wie ein Alien. Viele Angestellte können meine Welt nicht verstehen. Sie kennen das einfach nicht. Sie arbeiten in vorgegebenen Strukturen, geben eine ordentliche Portion Verantwortung nach oben ab und erhalten pünktlich ihr festes Gehalt.

Genauso wie viele Festangestellte ihre (gefühlte) Sicherheit nicht aufgeben möchten, möchte ich als überzeugter Selbständiger meine Selbstbestimmung nicht mehr missen.

Eine Welt voller Entdecker?

Anfang 2005 erzähle ich meinem Umfeld, dass ich mich selbständig machen werde. Auffällig viele antworten, dass sie das ja auch schon überlegt hätten. Aber … mal schauen. Wirklich gemacht hat es von ihnen niemand. Ich bin stolz darauf, dass ich diesen Schritt gegangen bin. Es ist eine aufregende Reise auf der immer wieder Neues entdeckt werden will. Das hat die letzten 10 Jahre unglaublich wertvoll für mich gemacht.

Wie erleben Sie Ihre Selbständigkeit? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Würden Sie anderen Menschen empfehlen, diesen Schritt auch zu gehen? Ich freue mich auf Ihre Meinung in den Kommentaren.

Veröffentlicht am 01.03.2015
Porträt Sascha Theobald

Autor: Sascha Theobald

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