Twitter-SymbolFacebook-SymbolInstagram-SymbolXing-SymbolLinkedIn-SymbolRSS-Symbol
16.02.2014 Macher Autor: Sascha Theobald 6 Kommentare

Ist Kreativität bunt?

Kreativität ist ein großer und doch schwer greifbarer Begriff. Was genau ist eigentlich Kreativität? Bin ich kreativ? Welchen Stellenwert hat Kreativität für Unternehmer? Eine persönliche Annäherung...
Bunte Farbkleckse
© klickerminth - Fotolia.com

Schnell: Woran denken Sie beim Begriff Kreativität zuerst? Die meisten Menschen werden wohl schnell irgendwo im Bereich Kunst landen – mit bunten Bildern und bedeutenden Werken. Vielleicht bei großen Malern, Musikern oder Schriftstellern. Oft ist Kreativität mit Etiketten wie »Kreatives Chaos«, »Brotlose Kunst« und »abgehoben« verbunden.

Als ich mich 2005 als Mediendesigner selbständig gemacht habe, habe ich dieses Bild von kreativen Menschen das eine oder andere mal deutlich gespürt. Auf der Suche nach einem Steuerberater zum Beispiel, bekam ich am Telefon eine klare Ansage zu hören: Ich werde sicherlich irgendwann mit einer Aldi-Tüte voller Belege andackeln. Er muss dann den ganzen Krempel von Grunde auf sortieren. Ne, ne – das kostet! Meinen Einwand, dass ich sicherlich meine Belege ordentlich sortieren könne, nahm er mir nicht so wirklich ab. Ich muss nicht weiter erwähnen, dass der gute Mann nicht mein Steuerberater wurde, oder?

Auch mein Bankberater hat bei der Eröffnung meines Geschäftskontos mit großen Ohren zugehört – für ihn lag kaum etwas weiter auseinander als Zahlenmenschen und Kreative. Damals habe ich dem noch zugestimmt – heute sehe ich das anders.

Die Mär vom kreativen Chaoten ist weit verbreitet. Und wenn ich mich nur mal selber anschaue, merke ich, dass ich das nicht bin. Die Annahme, dass ich das große Chaos brauche, um kreativ sein zu können, stimmt für mich einfach nicht. Wenn es um mich herum unruhig und wuselig ist, kann ich keine klaren Gedanken fassen und damit keine neuen Ideen finden. Ich brauche eine ruhige Umgebung, kann klar strukturieren und auch ganz gut mit Zahlen umgehen. Schlechte Voraussetzungen für Kreativität? So ein Quatsch!

Was ist Kreativität eigentlich?

Kunst ist nur eine Ausdrucksform der Kreativität. Es geht darum, etwas Neues zu schaffen. Schaffenskraft finde ich ein wunderbares Synonym. Und neben den schönen Dingen für die Sinne (Gemälde, Zeichnungen, Musik usw.) gibt es viele weitere Ausdrucksformen. So leben auch Unternehmen und das Marketing von ihrer Schaffenskraft. Wer nur andere kopiert, wird es nicht weit schaffen. Es gilt neue Ideen zu entwickeln und seinen eigenen Weg zu finden. Ansonsten bleibt nur der große Einheitsbrei und langweiliges Mittelmaß.

Manchmal gibt es Kunden, die schlichte, reduzierte Entwürfe als »unkreativ« bezeichnen. Luftiger Weißraum stößt immer mal wieder auf Widerstand. Kreativität ist aber nicht nur bunt, fröhlich und voll. Auch eine reduzierte Form kann ein neue, sinnvolle Lösung sein. Denn es geht letztendlich auch darum, einen hohen Nutzen zu schaffen.

Oder denken wir nur an die Musik. Wie viele der größten Songs sind düster und / oder aus einer tiefen Krisen entstanden. Die sind alles andere als bunt. Auch diesen Gefühlen Ausdruck zu verleihen und daraus etwas Besonderes zu schaffen – das ist für mich Kreativität.

Meine liebe Kollegin Andrea Stanke schreibt: »Es geht darum, den inneren Ruf nach freier Entfaltung der Persönlichkeit wahrzunehmen und das zu verwirklichen, was einem am Herzen liegt.« Eine wirklich schöne Formulierung.

Kreativität braucht Vertrauen und Mut

Im Laufe der Zeit sind mir zwei Faktoren besonders aufgefallen, die für eine Kreativität unerlässlich sind: Vertrauen und Mut.

Wenn ich mit anderen Menschen wirklich kreativ arbeiten möchte (also nicht nur oberflächlich kreativ), muss ich auch vermeintlich dumme Ideen ungestraft äußern können. Die Chemie muss stimmen, damit ich frei von Bedenken kreative Bälle hin und her werfen kann. Es braucht ein großes Maß an Vertrauen sich in einem kreativen Prozess wirklich öffnen zu können. Ist dies nicht gegeben, bleiben die besonderen Ideen oft im Verborgenen.

Gerade als selbständiger Kreativer brauche ich eine gute Portion Selbstvertrauen. Werde ich auch beim nächsten Auftrag noch gute Ideen finden? Was, wenn mir dazu gar nichts mehr einfällt? Oft gehe ich mit Projekten und Aufgabenstellungen länger Schwanger. Ideen brauchen Raum und müssen reifen. Ohne das Vertrauen, dass mich der Geistesblitz rechtzeitig treffen wird, würde mir das regelmäßig schlaflose Nächte bereiten.

Dann ist sie da: Die besondere Idee. Und oft sind die Zweifel nicht weit. Seien es Selbstzweifel oder auch die Stimmen von außen. Es gibt den Spruch »Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s gemacht.«. Es braucht den Mut, seine Ideen auch zu verwirklichen. Sich gegen die Zweifel und Stimmen durchzusetzen und gerade der ungewöhnlichen Idee eine Chance zu geben. Viele gute Ideen werden im Keim erstickt, weil der Mut fehlt, sich gegen Gegenwind durchzusetzen. Wie schade!

Unternehmer brauchen Kreativität

Für mich ist Kreativität eine der Schlüsselqualifikationen für Unternehmer. Das beginnt mit der Vision bei der Gründung, geht über die Entwicklung von Strategien und neuer Produktideen bis hin zur einer wirkungsvollen Akquise.

Die große Herausforderung ist es, stets neue Wege zu finden und diese dann auch zu gehen. Ohne Kreativität kommen wir hier nicht weit. Das merken wir immer wieder an Betrieben, die in der Vergangenheit stecken geblieben sind und versuchen totgerittenen Pferden die Sporen zu geben.

Eine stetige Entwicklung braucht Kreativität. Und das heißt auch immer wieder, bewusst das Gewohnte zu verlassen. Loszulassen. Dinge ausprobieren. Etwas zu wagen. Einen Schritt voraus zu gehen. Ja, wir können mit einzelnen Schritten scheitern. Aber ohne den Mut zu diesen Schritten, wird es schwer, ein besonderes und für uns erfüllendes Business zu schaffen. Alltagstrott und Routine sind die stillen Unternehmenskiller.

Kreativität für alle – Das Plädoyer

Dieser Text ist mein Beitrag zur Blogparade »Kreativität für alle« von Nicole Gugger. Und den Titel der Blogparade möchte ich an dieser Stelle besonders hervorheben. Kreativität steckt in jedem von uns. Sicherlich unterschiedlich ausgeprägt – aber das Potenzial ist uns allen gegeben. Denken Sie nur an Kinder. Kinder kreieren sich ihre Phantasiewelten und verschaffen sich darüber Ausdruck. Sicherlich haben auch Sie früher Buden gebaut, irgendwelche Szenarien gespielt und sind in ihre Welt abgetaucht. Ich glaube, dass wir als Erwachsene viel Phantasie und Ideenreichtum verlernt haben und sogar unbewusst unterdrücken, weil wir uns den Raum dafür nicht mehr geben. Glaubenssätze á la »Ich bin nicht kreativ« steuern das ihre dazu.

Deshalb: Geben Sie Ihrer Kreativität Raum und lassen Sie es zu. Es kommt darauf an, seinen eigenen Weg zu finden, seiner Schöpfungskraft Ausdruck zu verleihen und etwas daraus zu machen. Gerade wir Unternehmer sollten uns bewusst Freiräume schaffen, um neue Wege für unser Business zu entwickeln. Neben der wirtschaftlichen Relevanz ist das auch für die persönliche Zufriedenheit und den Spaß am Beruf ein entscheidender Faktor.



Tags:
Porträt Sascha Theobald

Sascha Theobald

Instagram-SymbolXing-SymbolLinkedIn-SymbolRSS-Symbol
Kommunikationsstratege & Webdesigner
Ich helfe Unternehmen durch eine klare Positionierung und eine klare Kommunikation, eine starke Marke zu werden. Damit sie sich deutlich vom Wettbewerb abgrenzen, leichter Wunschkunden gewinnen und höhere Honorare erzielen.

KlarMacher-Update

Exklusive Impulse für Ihre Unternehmenskommunikation
Monatlich · kostenlos · inspirierend   |   Mehr Infos

Kommentare zu diesem Artikel

Blogparade “Kreativität für alle” | Nicole Gugger  |   17. Februar 2014 um 09:31 Uhr

[…] Sascha Theobald: Ist Kreativität bunt? […]

Gitte Härter  |   4. März 2014 um 08:25 Uhr

… über die Tüte mit Belegen habe ich sehr gelacht: Freundin von mir mach Buchhaltungen für kleine Unternehmer. Einmal saß ich mit ihr im Biergarten und einer ihrer Kunden kam vorbei (lustigerweise tatsächlich ein Künstler) – mit einer ollen Tüte, die schon bessere Jahre gesehen hat, die bis obenhin mit Belegen vollgestopft war.

Das wandelnde Klischee! Ich lach mich jetzt noch kaputt drüber. 😀

Schönen Faschingsdienstach,
Gitte

Sascha Theobald  |   4. März 2014 um 22:27 Uhr

Tja, irgendwer muss die Klischees ja auch leben. Sonst macht’s ja keinen Spaß. 😉

Uschi Ronnenberg  |   29. August 2014 um 12:23 Uhr

Sehr schön ge- und beschrieben! So sehe ich es auch – als professionell Kreative und partielle Chaotin.

Uschi Erlewein - Die Geschichtenspielerin  |   29. August 2014 um 14:20 Uhr

Seltsam, den Beitrag zur Blogparade muss ich übersehen haben – prima, dass ich auf twitter jetzt darüber gestolpert bin…erinnert mich auch daran, dass ich in meinem Beitrag noch Links setzen wollte.
Wir müssen einfach mehr schreiben über dieses Thema. Oft wissen die Leute einfach nicht, was es bedeutet als Künstlerin zu leben. Ich begegne seit über 30 Jahren solchen Reaktionen, wie die vom Steuerberater…

Sascha Theobald  |   29. August 2014 um 15:11 Uhr

Vielen Dank, Frau Ronnenberg!

Ja, Frau Erlewein, »die Kreativen« sind leider eine oft missverstandene Spezies. 🙂

Einen Kommentar schreiben

Ich freue mich auf Ihren Kommentar. Bitte schreiben Sie unter Ihrem Namen. Werbung und platte SEO-Kommentare werden gelöscht.

Newsletter abonnieren