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22.11.2012 Botschaften Autor: Sascha Theobald

Piratenpartei ohne klare Botschaft

Die Piratenpartei in Niedersachsen hat ihre Wahlkampagne zur Landtagswahl 2013 vorgestellt. Auf Plakaten werden Designs von großen Unternehmen kopiert und für den eigenen Zweck genutzt. Die Kampagne sorgt für Aufmerksamkeit – aber welche Aussagekraft hat sie?
Piratenflagge am Strand
© daniel.schoenen / photocase.com

Haben Sie schon die neuen Plakatmotive der Piratenpartei Niedersachsen gesehen? Es begegnet einem viel Bekanntes – in Form von plagiierten Markenauftritten. Volkswagen, Milka, IKEA & Co. sind sofort präsent. Aber was wollen uns die Piraten damit eigentlich sagen?

Werbeplakat "Der Slogan"

Werbung für Inhalte – ohne Inhalte

Die Partei schreibt zu ihrer Kampagne: »Wir setzen bei unseren Plakaten nicht auf Programminhalte, weil Plakate uns nicht als geeignetes Medium zur Auseinandersetzung mit politischen Inhalten erscheinen. (…) Damit wollen wir zeigen, dass Wahlplakate letztendlich lediglich dem Transport von Werbebotschaften dienen. Wir wollen aufgrund unseres inhaltlichen Angebots gewählt werden, nicht aufgrund seiner Verpackung.«
(Auszug aus der offiziellen Kampagnenerklärung)

Habe ich das richtig verstanden: Die Piraten möchten auf ihre Inhalte aufmerksam machen, aber ohne mit Inhalten zu werben bzw. auf diese hinzuweisen? Natürlich dienen Werbeplakate zum Transport von (Werbe-)botschaften. Sie sollen eine Botschaft auf den Punkt bringen. Das ist der Sinn und Zweck eines Werbeplakates.

Design-Plagiat als bewusste Provokation?

Die Piraten haben sich bewusst am Design großer Unternehmen bedient. Ihnen scheint das ein selbstverständlicher und gerechtfertigter Weg zu sein. Haben sie doch zum Urheberrecht eine klare Haltung. Den zu erwartenden Widerstand der Markeninhaber wird man in Kauf nehmen – denn Auseinandersetzungen zum Urheberrecht geben der Presse schönes Futter. Und der Partei beschert es Aufmerksamkeit.

Als Designer und Markenstratege möchte ich mir gar nicht vorstellen, was es bedeutet, wenn sich jeder am Design anderer Unternehmen bedienen dürfte. Der strategische Aufbau eines unverwechselbaren Auftritts und eines Wiedererkennungswertes wäre nicht mehr möglich. Alle Marken würden visuell austauschbar. Der wirtschaftliche Schaden wäre enorm.

Kommunikation ist Wirkung, nicht Absicht

Die Piraten möchten sagen »Lest unser Wahlprogramm!«. Das tun sie aber nicht. In keiner Facette des Plakates ist diese Botschaft erkennbar bzw. verstehbar ohne dass man die dazugehörige Kampagnenerklärung liest. Damit ist der Sinn und Zweck eines Plakates ad absurdum geführt. Gegen solche leeren Hüllen wollten die Piraten doch aber ursprünglich antreten.

Wenn ich schon eine Kampagnenerklärung brauche, um den Sinn der Kampagne zu erklären, dann kann ich mir letzendlich das Plakat sparen. Schlimmer noch: Die Botschaft zwischen den Zeilen geht in eine ungewollte Richtung. Das Image der Schwätzer ohne fundierte Inhalte bekommt hier enormen Rückenwind. Und wer mag schon Ideendiebe?

Aus meiner Sicht haben sich die Piraten mit dieser Kampagne keinen Gefallen getan. Die Wirkung – gerade in Bezug auf die Botschaft zwischen den Zeilen – wurde nicht bedacht. Auffallen ist eben nicht alles.



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Porträt Sascha Theobald

Sascha Theobald

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