26.11.2019 Klar kommunizieren Autor: Sascha Theobald 2 Kommentare

Gitte Härter im Interview:
Im Plankton bessere Themen finden

Themen werden oft zu weit gefasst – damit tun sich gerade BloggerInnen keinen Gefallen. Im Interview verrät Schreibcoach Gitte Härter, wie Sie Themen finden, die für Ihr Publikum wirklich wertvoll sind. Denn nur so lohnt sich die Schreiberei auch für Ihr Business.
Unterwasser © joakant – pixabay.com

Wirklich knackige Themen für Blog & Co. zu finden, ist gar nicht so einfach. Das Problem dabei: Die Themen werden meist zu groß gehalten. Daraus resultieren oberflächliche Beiträge, die für Leser nicht sonderlich wertvoll sind. Als Unternehmen gewinnt man so keinen Blumentopf.

Gitte Härter nutzt einen sehr schönen Ansatz, um BloggerInnen zu helfen, bessere Themen zu entwickeln. Gitte ist Schreib-Coach, bloggt seit über 10 Jahren und hat unzählige Bücher veröffentlicht. Ende 2020 ist damit Schluss. Dann widmet sie sich dem nächsten Kapitel ihrer Selbständigkeit. Bevor sie aber den Stift an den Nagel hängt, habe ich sie zu ihrem Plankton-Ansatz befragt.

Du empfiehlst BloggerInnen, bei der Themenwahl ins Plankton zu gehen. Was meinst Du damit?

Porträt Gitte HärterMein allererster Schreibworkshop für Selbstständige fand seinerzeit am Starnberger See statt. Zum Auftakt ging es ums Themenfinden und -formulieren, und dabei wurde mir bewusst, dass alle viel zu riesige und vor allem schwammige Themen ausgewählt haben.

Zur Erklärung habe ich dann den Starnberger See genommen: Stellt euch vor, euer gesamtes Fachgebiet ist so groß wie der See (z. B. Kommunikation). Den kann man unterteilen in weitere immer noch ziemlich weite Unterbereiche (z. B. Konflikte, Präsentieren, Verhandeln). In jedem dieser Bereiche schwimmen viele Fische rum, ich kann also beispielsweise den Bereich »Verhandeln« nochmal runterbrechen in Aspekte wie »gegenhalten«, »überzeugend argumentieren«, »zum Handeln einladen«.

Kurz: Themen sind komplex. Damit ein Blog- oder Newsletterartikel wirklich was bringt, müssen wir kleine Themenfacetten (das Plankton) rauspicken und in einen ganz spezifischen Kontext setzen (der Plankton-Arbeitstitel). Denn auch zu einem klitzekleinen konkreten Thema lassen sich viele verschiedene Artikel schreiben.

Hast Du ein Beispiel für uns?

Klar.

Nehmen wir einen Kommunikationstrainer, der einen Blogartikel schreiben will, in dem er seinen Lesern Tipps zum Neinsagen gibt.

Worum genau geht’s ihm denn?

Das sind nur sieben Beispiele, und aus jedem dieser Arbeitstitel entstünde ein eigener, völlig anderer Blogartikel.

Ach ich sollte vielleicht noch mal das »Arbeitstitel« betonen: Der Plankton-Arbeitstitel ist eine vorläufige Überschrift, die mir als AutorIn klipp und klar sagen soll, worauf der Text rausläuft. Er hat nichts mit der später veröffentlichen Überschrift zu tun – darum darf ein Arbeitstitel krasser klingen oder umgangssprachlich oder holpern oder länger ausfallen. Es zählt einzig und alleine die Aussagekraft. Wer sein Thema von Anfang an richtig klar ausrichtet, der schreibt nicht nur zielgerichteter, sondern auch schneller. Weil ich eben nicht ins Blaue schreibe und in einem viel zu großen Thema umherrudere.



Warum sind zu große Themen problematisch?

Neben dem eben schon erwähnten Grund, dass man überhaupt nicht zielgerichtet sein Wissen aus dem Kopf holen kann (was das Bloggen extrem langwierig und mühselig macht) werden Texte sehr oberflächlich, wenn ein zu großes Thema mal eben in einen Artikel gepresst werden soll.

Das wiederum führt dazu, dass:

Der Text bringt nicht sonderlich viel, weil er den Lesern nur sagt, was sie eh schon wissen – oder sie enttäuscht im Regen stehen lässt, wenn lediglich behauptet und angedeutet wird.

Es wird austauschbar. Je allgemeiner ein Thema behandelt wird, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sämtliche Informationen darin schon zigfach woanders stehen. Meist sind zu große Themen außerdem sehr neutral formuliert, sodass die eigene Persönlichkeit, Ansicht, Erfahrung nicht – oder zu wenig – einfließt.

Die Inhalte werden leider schnell trivialisiert: Alles wird vereinfacht dargestellt oder es bleibt bei Appellen à la Tu dies! Denk dran! Du brauchst nur! – Der Leser fühlt sich nicht ernstgenommen oder schüttelt den Kopf: »Der Autor hat eine sehr oberflächliche Sicht der Dinge / versteht die genaue Situation nicht / ist nicht aus der Praxis).«

Wer schreibt, um damit Marketing für sein Business zu machen, schneidet sich so ins Fleisch. Vor allem aber macht er sich unnötig Arbeit mit der Schreiberei. Denn Texte, die den Lesern nichts bringen, führen weder zu mehr Bekanntheitsgrad, noch zu Aufträgen.

Es gehen ziemlich schnell die Themen aus! Gerade ein Blog lebt von kurzen Intervallen über Jahre hinweg. Wer immer mit viel zu großen Artikeln hantiert, dem geht schnell die Luft aus. Das sind dann die Kunden, die kommen und sagen »ich weiß nicht mehr, worüber ich bloggen soll, ich hab schon alles gesagt«. Die gute Nachricht: Das gibt’s gar nicht.


Welche Tipps kannst Du BloggerInnen geben:
Wie findet man Plankton-Themen?

Eine kleine Themenfacette rauspicken und total konkret werden. Das ist Übungssache, weil wir das nicht gewohnt sind. Darum ist es ganz normal, am Anfang auf dem Schlauch zu stehen oder trotz Runterbrechens immer noch zu groß zu sein. – Erinnert euch: Es heißt nicht umsonst Plankton. 😊

Am besten hilft es, von der Zielgruppe auszugehen. Wir als Fachleute wissen genau, wo es hakelt, wir kennen die Stolpersteine, die (oft immer gleichen) Fragen – und wir beobachten im Alltag mit unseren Kunden, was da so abgeht. Dieses Reinzoomen in die Details ist der perfekte Ansatzpunkt. Dazu gehört, dass ich mir pro Text klar werde, für wen genau ich diesen speziellen Artikel denn schreibe. Die Zielgruppe für einen Blogartikel ist nämlich nicht immer 1:1 identisch mit der meines gesamten Blogs. Ich habe beispielsweise ein Blog für Führungskräfte, aber bei manchen Texten wende ich mich an frischgebackene Vorgesetzte, bei anderen an solche, die konfliktscheu sind oder ziehe Dampfplauderern den Zahn. Dadurch verändert sich, was ich wie anspreche.

Du rätst, den Blickwinkel zu wechseln, um zu einem Thema verschiedene Plankton-Themen zu erarbeiten. Wie funktioniert das?

Das Gute: Schreiben ist Freiheit.

Es gibt keine starren Regeln, wir können in unserem Blog (oder Newsletter) tun und lassen, was wir wollen. – Blickwinkel heißt darum einfach mal nur: Das Thema von verschiedenen Seiten betrachten.

Sagen wir, ich bin Führungskräftetrainerin und will thematisieren, dass es schon mal vorkommen kann, dass in einem Mitarbeitergespräch Tränen fließen.

Verschiedene Blickwinkel wären:

Wohlgemerkt: Das sind jetzt nur ein paar Blickwinkel! Hinter jedem dieser verschiedenen Aspekte stecken jeweils Dutzende einzelner Plankton-Arbeitstitel.


Gibt es einen Kniff, mit dem ich testen kann, ob ich einen guten Plankton-Arbeitstitel habe oder ob noch mehr geht?

Grundsätzlich gilt:

Das Plankton ist dein Freund!

Vielen Dank, liebe Gitte, für Deine wichtigen und hilfreichen Einblicke ins Plankton.

Hier finden Sie Gitte Härter im Netz:

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Porträt Sascha Theobald

Sascha Theobald

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Als Sparringspartner für Positionierung und Kommunikation helfe ich Unternehmen, zum Leuchtturm im Meer der Austauschbarkeit zu werden. Seit 20 Jahren bin ich im Marketing unterwegs – im 15. Jahr selbständig.
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Kommentare

  1. Ulrike Zecher  27. November 2019 um 15:56 Uhr

    Lieber Sascha,

    an Gittes Plankton habe ich mir schon oft die Zähne ausgebissen und dadurch einer der wichtigsten Basics fürs Schreiben/Schreibcoaching gelernt. Dafür bin total dankbar!

    Mittlerweile ertappe ich mich selbst bei Vorträgen oder Gesprächen mit anderen: „Hey, was ist jetzt dein Plankton.“
    Im Kopf streiche ich dann alle Phrasen und Marketing-Sprech und am Ende bleibt dann nix mehr übrig. 🙂 🙂

    Merci für dieses planktonmäßige Interview und liebe Grüße an Gitte,

    die Ulrike

    • Sascha Theobald  27. November 2019 um 18:26 Uhr

      Danke für Deinen Kommentar, liebe Ulrike! Ja, Gittes Plankton-Ansatz rüttelt ordentlich an der Themen-Basis. 😄

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